Zertifizierung von freien Bildungsressourcen: ein neuer OER-Meilenstein in Österreich 07.06.2017

Zusammen mit Partnerorganisationen hat das Forum neue Medien in der Lehre Austria ein Konzept zur Zertifizierung von freien Bildungsressourcen an österreichischen Hochschulen ausgearbeitet. Beauftragt vom Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft sieht das Konzept eine OER-Zertifizierung sowohl für Hochschullehrende als auch für Hochschulen vor. Das Konzept wurde am 31. Mai 2017 im Rahmen des ersten österreichischen OER-Festivals präsentiert und ist als freier Download verfügbar.

Bereits 2016 hat die vom Forum neue Medien in der Lehre Austria geleitete Arbeitsgruppe „Open Educational Resources“ die Schaffung und Etablierung nationaler OER-Labels angeregt. Die Arbeitsgruppe wurde daraufhin vom Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft mit der Entwicklung eines entsprechenden Konzeptes beauftragt. Dieses Konzept sieht eine OER-Zertifizierung auf zwei Ebenen vor: Zum einen sollen Hochschullehrende zertifiziert werden, zum anderen sollen auch Hochschulen Zertifikate erhalten. Die Zertifizierungen erfolgen auf Basis formaler Kriterien. Die inhaltliche Qualität der Bildungsressourcen ist jedoch nicht Bestandteil der Zertifizierung.

Für Hochschullehrende wird eine zweiteilige Zertifizierung vorgeschlagen, wobei die beiden Teile nicht aufeinander aufbauen, sondern unabhängig voneinander absolviert werden können. Den einen Teil der Zertifizierung erfüllen Hochschullehrende, wenn sie zumindest drei freie Bildungsressourcen produziert und veröffentlicht haben. Der andere Teil gilt als absolviert, wenn Hochschullehrende ein weitgehend standardisiertes Qualifizierungsprogramm im Umfang von 25 Stunden (1 EC) durchlaufen haben.

Die Zertifizierung von Hochschulen besteht aus drei, ebenfalls nicht aufeinander aufbauenden Teilen: Zum einen müssen Hochschulen über ein entsprechendes OER-Qualifizierungsangebot verfügen und sich öffentlich/strategisch zu freien Bildungsressourcen bekennen. Zum anderen ist eine bestimmte, von der Größe der Hochschule abhängige Anzahl von zertifizierten Hochschullehrenden notwendig. Der dritte Teil setzt ein eigenes Repositorium (oder eine geeignete Verbundlösung in Kooperation mit anderen Hochschulen) voraus, in dem Open Educational Resources abgelegt und zugänglich gemacht werden.

In technischer Hinsicht sollen die Zertifizierungen in Form von digitalen Open-Badges realisiert werden. In ihnen sind alle notwendigen Metadaten gespeichert, die einen Beleg über Kontext, Bedeutung und erbrachte Leistung zum Erlangen des jeweiligen Zertifikates geben. Im vorliegenden Konzept werden bereits alle wesentlichen Merkmale der zu verwendenden Open-Badges dargestellt.

Das Konzept sieht vor, dass die Zertifizierung der Hochschullehrenden und der Hochschulen durch eine zentrale Einrichtung erfolgen soll. Aus welchen Stakeholdern sich diese Einrichtung zusammensetzt obliegt der Entscheidung des Bundesministeriums. Im Konzept wird vorgeschlagen, eine solche nationale Stelle bis zum Jahresende 2017 zu initiieren, die dann ab 2018 ihre Arbeit aufnehmen soll.

Um die Verwendung und Erstellung von OER an österreichischen Hochschulen weiter voranzutreiben, ist eine begleitende Informationskampagne geplant. Mit ihrer Hilfe soll für eine intensivere Zusammenarbeit der Hochschulen im Bereich der freien Bildungsressourcen geworben werden. Gleichzeitig sollen aktive Hilfestellungen wie Vorlagen für OER-Strategien oder Unterstützungsmaßnahmen beim Austausch der konzipierten OER-Qualifizierungsmaßnahmen und der vorhandenen bzw. geplanten Infrastruktur bereitgestellt werden.

Mit dem Konzept zur OER-Zertifizierung an österreichischen Hochschulen wurde ein weiterer wichtiger Meilenstein zur Verwendung und Erstellung von freien Bildungsressourcen umgesetzt. Dies gilt vor allem vor dem Hintergrund, dass seitens des Bundesministeriums weitere Schritte zur Etablierung von OER geplant sind. So sollen freie Bildungsressourcen in der Leistungsvereinbarungsperiode 2019 bis 2021 Berücksichtigung.

Das Konzept wurde dem Bundesministerium im Rahmen des ersten österreichischen OER-Festivals am 31. Mai 2017 an der Universität Graz übergeben. Aufgrund der bisherigen Gespräche mit dem Bundesministerium sind die Autorinnen und Autoren zuversichtlich, dass die im Konzept empfohlenen Schritte gemäß der vorgeschlagenen Roadmap umgesetzt werden.

Link zum Download "Konzept OER-Zertifizierung an österreichischen Hochschulen":
http://www.fnm-austria.at/fileadmin/user_upload/documents/Buecher/OER_Labeling_2017.pdf